Baugeschichte
Der älteste erkennbare Bau stammt aus der Zeit um 1300, mit fünfseitig gewürfelten Feldsteinen (Urgestein und einzelne Basaltsteine aus Skandinavien). Er ist heute an der West- und zum Teil an der Nord-Seite der Kirche sichtbar. Wahrscheinlich war dieser Bau rechteckig (Langhaus) mit Walmdach, also ohne Giebel an der Ost-Seite.
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Vermutlich während des Dreißigjährigen Krieges ist die Kirche
ausgebrannt. Nach 1684 wurde sie wieder mit Dachstuhl und
Walmdach versehen; eventuell entstand in dieser Zeit schon ein
niedriger Barockturm. Spätestens 1720 wurde der Turm
errichtet, mit Uhr und Glocke(n). Der Küster bekam 1732 Geld,
"die Uhr zu stellen und zu Uhren und Glocken Schmeer". 1732/33 erfolgte die Erweiterung der Kirche in Richtung Osten, mit dem "gewölbten Erbbegräbnis" für die Familie von Marschall und einem Trockenboden als Darre für Hopfen. Ein Aufzug am östlichen Giebel und eine Standspindel dienten zur Bewegung der Lasten. Gleichzeitig wurde die Decke des Kirchenraums in heutiger Gestalt verputzt, der barocke Kanzelaltar aufgestellt und eine kleine Orgel eingebaut. Ein "Calcanter" (Bälgetreter) wurde ab 1735 bezahlt. |
1834 dürfte der Turm in seiner heutigen Gestalt errichtet worden sein, vermutlich unter Verwendung der Konstruktion des alten Turms. Ebenfalls aus jenen Jahren stammt der Anbau mit Zugang zur Patronatsloge. Dieser Anbau ist seltsamerweise nicht rechtwinklig an die Südseite der Kirche gebaut.
| 1894
erhielt der Turm statt Holzschindeln eine Beschieferung (wie heute);
die Südseite wurde mit einem Stipp-Putz versehen und der
Gruftzugang auf der Ostseite vermauert. Die heutige Innengestaltung (Gestühl und Emporen samt neuer - vermutlich dritter - Orgel) wurde 1907 durch Karl-Heinrich von Treskow veranlaßt. Die der Orgelempore vorgesetzten Säulen mit Familienwappen stammen aus dem schon um 1855 abgerissenen alten Gutshaus. |
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Beschädigungen durch Artilleriebeschuß im April 1945 konnten erst zwischen 1952 und 1957 behoben werden: Buntglasfenster im Altarraum wurden auf der Ostseite, beiderseits des Altars, zugemauert bzw. an der Nord- und Südwand durch einfache Glasfenster ersetzt. Die Deckenbemalung (von 1930) konnte nicht mehr ergänzt werden - die Decke wurde neu verputzt und geweißt.
Die erheblichen Schäden am Turm (die Uhr war zerstört, die einzige Glocke gesprungen) wurden mühsam behoben, zwei neue Glocken aufgehängt.
1985 erfolgte nach einer Dachreparatur die denkmalgerechte Innenausgestaltung, 1987 die Aufnahme in die Denkmalliste.
| 1993 begann mit der Eröffnung der Gruft die 1999 abgeschlossene Sanierung. Seit 1997 besitzt der erneuerte Turm wieder eine Uhr und vier Kreuze auf den Eckpfosten unterhalb der Turmspitze. 1998 wurden Toilette und Kaffee-Küche in den Seitenanbau eingebaut, der Trockenboden wurde aufwendig vom Schwamm befreit und rekonstruiert. 1999 erhielt die Kirche einen neuen Stipp-Putz, die barocke Putzart auf der Ost- und z. T. Nordseite und dazu innen und außen einen neuen Farbanstrich. |
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Herausragende Besitzer des Gutes (und damit Kirchenpatrone)
Carl Hildebrand von Canstein, an der Viadrina Frankfurt/Oder promovierter Jurist aus Berlin, erbte das Gut Dahlwitz vor 1703 und besaß es bis 1718. Als enger Vertrauter von Philipp Jacob Spener in Berlin und August Hermann Francke in Halle gehörte er zu den frühen Pietisten. In 625 erhaltenen Briefen an A. H. Francke aus dieser Zeit gibt Canstein Einblick in Gedanken und Lebensumstände seiner Zeit. Er rief 1710 zur Gründung der ersten Bibelanstalt der Welt auf, um "den Armen Gottes Wort zur Erbauung um einen geringen Preiß in die Hände zu bringen". Finanzielle Voraussetzungen zu diesem Vorhaben war u. a "Mastung [und Verkauf] von ochsen... Es soll zu dalwitz nicht bey 30 ochsen oder 60 ochsen bleiben. Sondern wir wollen deren einige hundert verthun." So konnte, dank neuer Drucktechnik, das Neue Testament 1713 für 2 Groschen, die Bibel 1717 für 6 Groschen verkauft werden (24 Groschen waren ein Taler); "allezeit ist es was besonders mit den Leuten (von Dahlwitz)", schreibt Canstein 1710 nach Halle und berichtet später, daß Franckes neues Erbauungsbuch "schon zu dalwitz bei der gemeine offentlich gebrauchet" wird. 1718 verkauft er das Gut Dahlwitz für 26.450 Reichstaler an Samuel von Marschall. |
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Als Minister Friedrich Wilhelms I. und Friedrichs II. wirkt er programmatisch an vielen Aufgaben in Preußen mit. Väterlicherseits war er Abkomme von James II. Stuart, König von Schottland, und mütterlicherseits niederländischer Herkunft. An seiner Entwicklung zeigt sich, daß im toleranten Preußen Kompetenz wichtiger war als deutsche Abstammung. Auf ihn geht die Erweiterung der Kirche mit Mehrfachnutzung zurück: Kirch-saal, Begräbnisplatz in der Gruft und Wirtschaftsboden. Als Reformierter Christ erhielt er mit seiner Familie das Privileg des „Simultaneum“, nämlich in der Kirche neben den lutherischen auch reformierte Gottesdienste feiern zu dürfen.
1739 erwarb er das Gut Altranft und beteiligte sich maßgeblich an der praktischen Ausführung der Oder-Regulierung. Nach seinem Tod führte seine Frau, eine offenbar streitbare Patronin, noch mehr als 30 Jahre die Geschäfte der Güter weiter.
Peter Bickhardt, Pfarrer i. R.

Dachboden der Kirche von Dahlwitz-Hoppegarten